Artist Statement



‚Bauen‘ wird sowohl im Sinne von handwerklicher Tätigkeit als auch von geistiger Formung gebraucht. Wir sprechen vom Bebauen des Ackers, vom Bauen eines Staatsgebildes und vom Bauen des Hauses. Mit diesen menschlichen Tätigkeiten sind systematische Vorgänge der Lebenserhaltung, Lebenssicherung und der Lebensordnung gemeint, die ein Werk zum Ziel und Ergebnis haben. Der Mensch als vernunftbegabtes Tier baut sich seine Lebensräume als Öffnung zur Welt, zur Natur und als Rückzugsort in sich selbst. Meine bisherige Beschäftigungmit der Gegenüberstellung von Stadtraum und Landschaft sowie Werk und Lebenswirklichkeitfortführend, möchte ich im kommenden Jahr diese Themenfelder weiter vertiefen. Inspiriert von vergessenen Orten, die von Eingriffen der Industrie, der rücksichtslosen Ausbreitung der Städte und der zerstörerischen Kräfte der Natur geprägt sind, arbeite ich in unterschiedlichen Werkgruppen und Formaten. Ausgehend von einem umfangreichen Materialarchiv, das während verschiedener Forschungsreisen entstanden ist, entwickeln sich unterschiedlichste Fragestellungen für neue Arbeiten. An architektonischen Ruinen oder mutwillig zerstörten Bausubstanzen lässt sich das Interesse des Menschen an Zufällen, Vergänglichkeitund Poetikerkennen. Gleichzeitig spiegeln sie unsere ängstlichen, zerbrochenen, materiell exzessiven Zeiten wider. Dies berücksichtigend, erlaube ich es mir alles, was die plastische Umwelt zu bieten hat, für meine skulpturale Beschäftigung zu benutzen. Die Arbeiten verstehen sich als ein Gegengewicht zur beschleunigten und hypertechnologisierten Erscheinung heutiger Industriegesellschaften. Sie sagen nein zu Vielem: zu teuren Materialien, schweren Maschinen oder Herstellungsprozessen, die zu glänzenden (einlullenden) Oberflächen führen. Stattdessen sind sie prekäre Assemblagen, low-tech, in bescheidenen Dimensionen. Durch den Guss von Beton oder Kunstharzen werden gefundene Materialien und Objekte auf eine Art und Weise miteinander verbunden, die sie fragmentiert, empfindlich macht und sogar zerfallen lässt. An erste Forschungsreisen nach Targu Jiu bzw. Calambrone in den letzten beiden Jahren anknüpfend, die sich speziell mit den zerstörerischen bzw. zurückerobernden Kräften der Natur beschäftigt haben, sollen sich meine Nachforschungen und Erkundungsreisen für das kommende Jahr auf Deutschland konzentrieren. Konkret auf Brachflächen in Ostdeutschland und aufgelassene Fabriken im Westen der Republik. Fasziniert von der urwüchsigen Schroffheit und Schönheit verlorener Orte/Monumente, wie die Colonia Marina bei Calambroneoder Pömmelte bei Magdeburg, und ihrer seltsamen Nebeneinanderstellung inmitten urbaner Planung sollen im kommenden Jahr weitere Werkgruppen entstehen. Diese sollen die Dialektik des Gebauten und Zerstörten als Reaktion auf gesellschaftliche Entwicklungen untersuchen. In diese Richtung forschendmöchte ich neue Werkkomplexe erarbeiten und die Themenfelder breiter und tiefer aufgliedern. Denn möglicherweise sind die unfertig zurückgelassenen Fabrikhallen,die wiederentdeckten Tempel vergangener Zivilisationen. Orte zum Träumen und Reflektieren über den menschlichen Einfluss auf die Natur inmitten der urbanen Erschließung.


- PO